Im Schlosskeller spielte am Freitag die badische Folk-Band „Goschehobel“Alemannische Folk-Songs über Liebe, Unterwegssein, Wurzeln und Sehnsucht: im Schlosskeller trat am vergangenen Freitagabend die badische Legende „Goschehobel“ auf und brachte mit Musik, Poesie und authentischer Freude die badische Lebensart zum Ausdruck.Wer vorhatte, die Veranstaltung erst kurz zu Konzertbeginn zu besuchen, musste gleich wieder mit dem Heimweg vorlieb nehmen. Schon gegen halb acht war der Gewölbekeller bis auf den letzten Platz gefüllt und erinnerte dabei an ein hippieskes Sit-In aus den 60er-Jahren. Entspannt saßen die Gäste an den Tischen, in den Gängen auf der Treppe - nur gab es statt übergroßen Sonnenbrillen und bunten Kostümen diesmal Nickelgestelle, warme Fliespullis sowie Rotwein, Bier und Flammkuchen.Applaus kam auf, als sich gegen 20.30 Uhr der Vorhang öffnete. „Aus Rücksicht, dass alle etwas zu trinken kriegen haben, fangen wir später an“, eröffnete das Goschehobel-Duo Urban Huber-Wölfle und Eberhard Jäckle augenzwinkernd das Konzert und schmetterte unverzüglich die Akkorde des ersten Songs „Streck' dini Wurzle in'd Luft“. Die Begleitband mit Andris Buchholz (Bass), Jonathan Freitag (Drums) und Oliver Fabro (Gitarre) setzte ein und unterstützte den Auftritt des Duos, das einerseits durch den kongenialen und herrlich bauchigen Harmoniegesang überzeugte, andererseits die in den Texten zum Ausdruck kommende badische Lebensart mal melancholisch, mal lustig, aber stets authentisch zum Ausdruck brachte.Eigenkompositionen wie „Zwischezitt“, „Lichteri Däg“ oder „Vagabunde“ prägten zunächst den ersten Teil des Abends. Letzteres überzeugte dabei als Titelsong des bald erscheinenden neuen Albums mit einem klassisch dylanesken Unterwegs-Motiv. Richtig authentisch klang Goschehobel, wenn es, wie bei „Nächtliche Fliegel“ träumerisch wurde. Mit geschlossenen Augen und ausgebreiteten Armen sang Urban Wölfle dann „Ich stell' mir vor ich wär' ä Schmetterling – ä klein's flattrig's Ding“.Der zweite Teil des Konzertes stand im Zeichen von Coversongs und guter Laune. Aus „Hotel California“ wurde das „Hotel zum Kuckuck“, aus Bryan Adams „Summer Of '69“ der „Summer in de Sechz'ger Johr“ und aus „Knockin' On Heaven's Door“ schließlich „Nackig' am Baggersee“.Gegen Ende spendeten die gut 120 Gäste „Goschehobel“ den wohlverdienten Applaus und erhielten drei Zugaben. In dieser sehr besonderen Region Deutschlands schafft es die Band, die es bereits seit 25 Jahren gibt, wie keine zweite Musikgruppe, die badische Lebensart und ihre Sehnsüchte musikalisch und poetisch sowie mit dem nötigen Schuss „Rock'n'Roll“ einerseits auf den Punkt zu bringen und andererseits auch authentisch zu leben. Letzteres scheint vermutlich der Grund zu sein, warum die beiden noch immer umherhüpfen und sich fühlen, als wären sie „Fier immer jung“. „Wenn Dü die Glück gerecht behandelsch', dann verlosst's di' nie“, hieß es passenderweise im letzten Song des Abends.
Daniel Gorzalka (erschienen in der ET-Ausgabe am 04.01.12)